in der Städteregion Aachen

Kuschelparty

 

Versuch einer Definition

Erwachsene, darunter zum Teil unbekannte Menschen, treffen sich, um gemeinsam eine achtsame Zeit der Berührungen in Stille und ohne jede sexuellen Ambitionen zu verbringen. Mit anderen Worten, es wird angenehm eng und unverbindlich verbindend.

Für wen ist Kuscheln etwas?

Für alle Menschen!

Schon als Baby sind wir für unsere psychische, körperliche und soziale Entwicklung auf liebevolles Berührt-Werden angewiesen! Babys, ohne nährende Berührungen sterben an diesem Mangel. Als Erwachsener Mensch werden wir an Berührungsmangel nicht sterben, aber wir tun uns schwer mit unserer mentalen und sozialen Weiterentwicklung. Kuscheln erfüllt alle psychosozialen Grundbedürfnisse: Nähe, Geborgenheit und angenommen sein! Mindestens genau so wichtig ist die Fähigkeit, sich von unliebsamen Berührungen abgrenzen zu können! Das Nein als feste Größe neben dem Ja, auch und besonders im Alltagsleben, kann auf der Kuschelparty in seiner Bedeutung und Wirkweise überprüft werden. Erst in diesem gelingenden Feld, können wir uns jenseits von Leistungsdenken weiter entwickeln. Stell Dir vor, du brauchst jeden Tag 16 Umarmungen - wie schön ist da die Vorstellung, jeden Tag mindestens 16 Umarmungen zu haben!

Deshalb lasst uns von Herzen und mit Vertrauen und Respekt kuscheln!

 

Die Regeln

Nutze die Party als Experimentierfeld und Spielwiese für dich. Sei mutig!

  • Keine sexuellen Handlungen!
  • Kein "Anbaggern"! Kein Animieren!
  • Die Kuschelparty ist drogenfrei (kein Alkohol etc.)!
  • Von Berührungen ausgeschlossen sind die "Bikini-Zonen"!
  • Strenger Schweißgeruch auf Haut und Kleidung ist zu vermeiden!
  • Aufdringliche Deos und Parfüms nicht verwenden! Ganz dezent ist ok.
  • Bitte um Erlaubnis, wenn du jemanden berühren möchtest und respektiere ein NEIN.
  • Wenn du ein klares JA bei dir fühlst - sage JA!
  • Wenn du ein deutliches NEIN empfindest - sage NEIN!
  • Wenn du ein VIELLEICHT fühlst - dann sage NEIN!
  • Du kannst jederzeit deine Meinung ändern: von einem JA zu einem NEIN - von einem NEIN zu einem JA
  • Reden ist gut, wenn es etwas zu klären gibt. Ansonsten schweige und spüre!
  • Sei respektvoll und achtsam mit dir, den anderen gegenüber und mit dem Raum.
  • Bei Fragen, Unsicherheiten oder wenn du Hilfe brauchst, komme bitte zu mir, oder hebe einfach einen Arm und ich werde zu dir kommen.
  • Bedanke dich stets bei deinen Kuschelpartner*innen!!!

Wenn die Klangschale ertönt, halte in deinem Tun inne und nehme bewusst dein Empfinden in diesem Kontakt war.

Das Kuschler*innen-Minimalset

Wer in der Gruppe kuscheln möchte sollte gut vorbereitet sein. Trotz ausreichend vorbereitender Hygiene können Situationen auftreten, die diese wieder zunichte machen: So z.B. Stress und körperliche Anstrengung. - Deshalb stets alle nötigen Utensilien griffbereit in einer Tasche zur Kuschelparty mitbringen.

  • Bequeme Kleidung (z.B. Jazzpants, T-Shirt, Jacke oder dünner Pullover) (gilt nicht für Cuddle Beach, hier gilt Badehose bzw. Bikini) und warme Socken.
  • Wechselklamotten (T-Shirt und Unterwäsche, ev. 2. bequeme Hose) (gilt nicht für Cuddle Beach).
  • Duschtuch (falls Duschen die Rettung ist).
  • Deo, aber nur wenn der Duft nicht aufdringlich ist! Gleiches gilt für Parfüms (besser ganz darauf verzichten).
  • Reichlich Wasser zum trinken.

 

Zum Umgang mit unangenehmem Körper- und Kleidungsgeruch!

Aus Höflichkeit wird unangenehmer Geruch meist nicht thematisiert. Dieser ist in der Folge oft schwer aushaltbar und belastet nahezu die ganze Gruppe. Wenn dann die "unangenehm" riechende Person auf Umwegen davon erfährt, ist die Scham meist größer als bei direkter aber freundlicher Ansprache während der Kuschelrunde: "Sei mir bitte nicht böse, aber ich stelle fest, dass ich Deinen Körpergeruch gerade kaum aushalte. Das meine ich keinesfalls persönlich. Ich stelle es einfach fest." Der- oder Diejenige hat dann die Möglichkeit darauf zu reagieren (sie oben, Minimalset) und trotz der "Schocksituation" sich zualllererst für die Information zu bedanken. Niemand möchte anderen auf diese Weise zur Last fallen.

Es ist völlig in Ordnung, sich kurz von der Gruppe zu lösen, zum Umkleideraum zu gehen und eventuell das Bad zu benutzen, um sich frisch zu machen. Danach kann achtsam, ohne störenden Geruch, wieder in die Gruppe eingetaucht werden.

So können wir uns alle gegenseitig sicher machen. Meine Empfehlung ist, falls Unsicherheit über den eigenen Geruch besteht, einfach ein Gruppenmittglied bitten, eine "Nase zu nehmen" und objektiv mitzuteilen, wie der Stand der Dinge ist. Das schafft Vertrauen auf beiden Seiten.

Der Ablauf

Nach einer Begrüßungsrunde mit kurzem Vorstellen der eigenen Person und der aktuellen Befindlichkeit, geht es sogleich in die erste Kontaktübung. Über Augenkontakt zur ersten stimmigen Berührung. Es folgt die etwas gefürchtete NEIN-sag-Übung, da man eigentlich niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Aber das Nein-Sagen will geübt sein. In der nächsten Übung wird das JA- und NEIN-Sagen geübt. In beiden Übungen lautet die Frage: Darf ich Dich berühren?

Anschließend bilden wir 3er- oder 4er-Gruppen, in denen jede Person 5 Minuten lang von den restlichen Teilnehmern einer Gruppe eine Streichelmassage erhält.

Unter meiner Anleitung erweitert sich das Personenfeld der achtsamen Berührungen allmählich zu einer einzigen großen Gruppe, bis sich das eigentliche Kuscheln bei angenehm gedämpften Licht und ruhiger Musik einstellt. Gekuschelt wird für etwa 1 1/4 Stunde, bis ich die Runde aufhebe. Anschließend findet noch ein Erfahrungsaustausch in einer gemeinsamen Abschlussrunde statt.